• Philipp Süß

FAQ: 3D-Druck vs. Additive Fertigung - Was ist der Unterschied?

3D-Druck, Additive Fertigung und Generative Fertigung - All diese Begriffe werden mit dem Thema in Verbindung gebracht. Aber welcher Begriff sollte benutzt werden?


Die Begriffe 3D-Druck und Additive Fertigung werden oft als synonym verwendet, häufig auch innerhalb eines Textes. Das kann beim Leser schnell zu Verwirrung führen. Leider muss auch ich mich von dieser Praxis schuldig bekennen. Aber für diese Verwendung gibt es gute Gründe, die ich hier erklären möchte.


3D-Druck

Für die meisten Menschen ist der Begriff 3D-Druck bzw. 3D-Drucker fest mit der Maschine verbunden, die aus einem digitalen 3D-Modell durch schichtweisen Aufbau ein physisches Objekt erzeugt. Das ist auch zunächst erst einmal korrekt. Fragt man, wie ein 3D-Drucker aussieht, haben die allermeisten Menschen einen kleinen Heim- oder Hobbydrucker für ca. 500 € vor Augen, der auf dem Schreibtisch steht. Dieser fertigt aus einem Kunststoffdraht kleine Figürchen, Dekoration oder Teile für nicht kommerzielle Anwendungen. Diese Assoziation mit dem Hobbybereich ist für professionelle Anwender, Wissenschaftler oder Unternehmen, trotz großen Respekt vor der Maker-Szene, oft problematisch. Der Begriff 3D-Druck wird leider von Laien nicht mit einem professionellen Produktionsverfahren verbunden, mit dem technisch anspruchsvolle Produkte hergestellt werden.

Andererseits beschreibt “3D-Druck” sehr gut, was das besondere an dem Verfahren ist und wo die Vorteile liegen. Als Suchbegriff im Internet oder Schlüsselbegriff für jede Form der Veröffentlichung und Werbung ist der Begriff daher unabdingbar und der de facto Oberbegriff für die gesamte Branche. Nicht zuletzt ist der Begriff “3D-Druck” auch durch überschwängliche Berichterstattung sehr positiv besetzt. Von so einem positiven Image und Medienpräsenz können andere Fertigungsverfahren nur träumen.


Quelle: Pixabay


Additive Fertigung

Additive Fertigung ist der Fachbegriff für eine Vielzahl verschiedener Fertigungsverfahren nach dem Hauptprinzip des schichtweisen hinzufügen (d. h. additiv) von Material auf der Grundlage eines digitalen Datenmodells. Nach der DIN 8580 hat die Additive Fertigung einen festen Platz innerhalb des Kanons der Fertigungsverfahren. Der Begriff wird vornehmlich von Fachleuten und Wissenschaftlern verwendet, wenn die Herstellung funktionsfähiger Produkte oder Bauteile beschrieben wird. Diese werden unter anderem im Maschinenbau, der Luftfahrt oder der Medizintechnik verbreitet eingesetzt. Die Vermischung von 3D-Druck und Additiver Fertigung, selbst unter Fachleuten, liegt auch im Mangel eines Verbes für den Prozess der Additiven Fertigung. “Das Bauteil wird morgen gedruckt” wird man eher sagen als die sprachlich holprige Aussage “das Bauteil wird morgen additiv gefertigt”. Die konventionellen Fertigungsverfahren hingegen haben alle Ihr eigenes Verb zur Beschreibung des Prozesses. Selbstverständlich würde man beispielsweise “das Bauteil wird morgen gefräst” sagen.

Fehlt ein Verb für Additive Fertigung?

Bei genauerer Betrachtung ist das Problem nicht das Fehlen eines Wortes, sondern der Versuch, die Additive Fertigung als ein einzelnes Fertigungsverfahren darzustellen. Additive Fertigung ist aber eine Gruppe sehr unterschiedlicher Verfahren, so wie auch in der DIN 8580 beschrieben. Daher ergibt sich erst für das einzelne Verfahren ein Verb. Beim Selektiven Lasersintern würde man beispielsweise sagen “das Bauteil wird morgen gesintert”. Wobei das Wort “sintern” im Zusammenhang mit der Additiven Fertigung durchaus auch kritisch hinterfragt werden kann. Aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Quelle: Image VideoEOS GmbH


Zusammenfassend wird “Additive Fertigung” also vornehmlich in einem wissenschaftlichen oder technischen Umfeld verwendet, während 3D-Druck den Hobbybereich einschließt. Da 3D-Druck aber als Begriff sowohl etabliert und auch beschreibend ist, wird dieser auch durchaus von Fachleuten verwendet. Sätze wie “hat die Lasersinteranlage schon fertig gedruckt?” oder “sollen wir die Düse aus Aluminium oder Edelstahl drucken?” sind also durchaus gängig. Insbesondere wenn durch den Kontext klar ist, dass man von einer professionellen Anwendung spricht. Letztendlich hängt es vom Umstand und der eigenen Präferenz ab, welchen Begriff man an welcher Stelle verwendet. Mit der Weiterentwicklung und Verbreitung der Additiven Fertigung wird sich auch die Fachsprache weiterentwickeln.

Ich werde gerne auch weiterhin 3D-Druck sagen.