Individualisierung oder Baukastensystem: Wie erzeugt man Mehrwert mit der additiven Fertigung?
- Philipp Süß

- vor 15 Stunden
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Die Individualisierung von Produkten steht in den Werbeprospekten der additiven Fertigung oft als ein Hauptargument für die Technologie. Aber Individualisierung ist kein Mehrwert an sich. Individualisierung kann ein Werkzeug sein um einen zusätzlichen Kundennutzen zu erzeugen. Falsch angewendet kann sogar großer Schaden entstehen.
Vor einem halben Jahr waren wir im Konzept-Workshop mit einem Kunden für ein neues Consumer-Produkt das additiv gefertigt werden soll. Mit verschiedenen Methoden ergründen wir dabei wie ein konkreter (messbarer) Kundennutzen entsteht. Dabei analysieren wir auch wie das Produkt zusätzlichen (bisher nicht realisierten) Mehrwert erzeugen kann, denn da spielt die additive Fertigung oft Ihre Vorteile aus.
Vom Kunden kam dann die Idee:
"Wir können das Produkt ja individualisieren"
Für mich ein Warnsignal.
Das Problem: "Freiheit der Wahl" und "Qual der Wahl" sind untrennbar miteinander verknüpft.
Menschen wollen eine Wahl haben aber keine Wahl treffen. Individualisierung kann in einem Salesprozess bremsend wirken. Zusätzlich vergessen viele, dass Individualisierung in der additiven Fertigung zwar sehr gut abbildbar ist, das aber nicht für alle vor- und nachgelagerten Prozesse gilt. Vom Sales bis zum Shipping, kann Individualisierung zu hohem zusätzlichen Aufwand führen, es sei denn der gesamte Prozess ist hochautomatisiert genau darauf ausgelegt.
Individualisierung ist sinnvoll, wenn dadurch der zentrale Kundennutzen erzeugt wird, selten als Zusatznutzen.
Positiv-Beispiel: Ein additiv gefertigter Tischtennsischläger dessen Gewichtsverteilung und Griffform individuell an den Sportler angepasst werden und so die Performance verbessert.
Negativ-Beispiel: Ein additiv gefertigter Tischtennisschläger bei dem der Nutzer zusätzlich seinen Namen eingravieren kann.
Warum Baukastensyteme mit additiver Fertigung?
Bei vielen Produkten, insbesondere technischen Produkten, sind Baukastensysteme, oder gut durchdachte Portfolios (z.B. Standardgrößen, Varianten, konfigurierbare Komponenten) die bessere Wahl. Sie bieten durchdachte Lösungen und geben den Kunden Entscheidungssicherheit.
Auch hier ist die additive Fertigung oft extrem sinnvoll, wenn Sie eingebettet ist in ein durchdachtes Gesamtsystem.

